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Wie kann ich Hinterbliebenen helfen?

Ein Suizid beeinflusst das Leben jener Menschen, die der verstorbenen Person nahe standen, enorm. Die Verarbeitung des Geschehenen ist für die Hinterbliebenen sehr schwierig. Nicht selten geraten sie selbst in eine Krise, manchmal gar begleitet von Suizidgedanken. Dieser Text soll Freunden und Bekannten von Hinterbliebenen aufzeigen, wie man Hinterbliebene unterstützen kann.

Informieren Sie sich über die Themen Suizid und Trauer

Suizid wird in unserer Gesellschaft tabuisiert. Dies macht es für Hinterbliebene doppelt schwierig, das Geschehene zu verarbeiten und mit anderen darüber zu sprechen. Je mehr Sie über Suizid wissen und auch darüber, was Menschen erleben, die eine nahe stehende Person durch Suizid verloren haben, umso besser können Sie diese unterstützen. Unter Vom Umgang mit der Trauer haben wir versucht aufzuzeigen, was die meisten Hinterbliebenen erleben. Unter Warum denkt jemand an Suizid erfahren Sie mehr darüber, wie es zu Selbsttötungen kommt.

Offenheit hilft

Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten, über den Tod zu sprechen. Es ist deshalb normal, wenn Sie unsicher sind, wie Sie das Thema Suizid ansprechen sollen. Sie können diese Unsicherheit auch zum Thema machen. Je offener Sie über das Geschehene und Ihre Gefühle und Gedanken sprechen und Ihre Fragen stellen, umso leichter fällt es Ihrem Gegenüber, sich mitzuteilen. 

Schenken Sie Ihr Ohr ...

Wer jemanden durch Suizid verloren hat, braucht Menschen, die da sind, ihnen zuhören oder ihnen einfach nur Gesellschaft leisten. Hinterbliebene erwarten nicht, dass ihr Gegenüber ihre Probleme löst und auf alles eine Antwort kennt. Sie wissen, dass es für ihr Umfeld nicht immer leicht ist, mit ihnen umzugehen. Trotzdem haben sie das Bedürfnis, über den erlebten Verlust und die verlorene Person sprechen zu können. Die verstorbene Person nicht mehr zu erwähnen wäre also falsch, denn es belastet und isoliert die Hinterbliebenen. Alle Beteiligten erleben nach einem Suizid Hilflosigkeit und brauchen Mut, sich auf unbekanntes Terrain zu wagen und darüber zu sprechen.

... und Ihre Zeit

Zwar ist es für Hinterbliebene wichtig, über das Geschehene sprechen zu können. Genauso wichtig ist es, nicht auf den Suizid reduziert zu werden. Sei es nun ein Kinobesuch, ein Abendessen, Sport, Wandern oder was auch immer: Indem Sie gemeinsam Zeit verbringen und für Ihr Gegenüber da sind, können Sie grosse Unterstützung bieten. Scheuen Sie sich nicht zu fragen, was Ihrem Gegenüber im Moment gut tut oder was es benötigt.

Rückzugsmöglichkeit gewähren

Trauerarbeit braucht Zeit und Raum. Jeder Mensch hat diesbezüglich andere Bedürfnisse. Die meisten Hinterbliebenen wünschen sich zwischendurch auch Zeit für sich alleine und brauchen Rückzugsmöglichkeiten. Wichtig ist aber, dass der Rückzug nicht zu einer Isolation führt. Akzeptieren Sie kommentarlos, wenn Ihr Gegenüber Zeit für sich alleine braucht. Fragen Sie, wann Sie sich melden sollen, oder melden Sie sich nach einer Weile wieder von sich aus, auch wenn Sie nichts hören. Manchmal fürchten Hinterbliebene, ihr Umfeld zu belasten, und melden sich deswegen nicht.

Auf der Suche nach passender Hilfe unterstützen

Den meisten Hinterbliebenen hilft es, wenn sie eine Zeit lang Beratung und Unterstützung von Fachleuten erhalten, sich austauschen mit Menschen, die dasselbe erlebt haben oder sonst einen Ort oder eine Beschäftigung finden, welche die Auseinandersetzung mit der Trauer ermöglicht. Manchmal nehmen Hinterbliebene ihre Alltagsverpflichtungen in Arbeit, Familie, etc. schnell wieder auf. Dies hilft, weil der vertraute Ablauf ihnen etwas Halt und Sicherheit vermittelt. Das kann aber auch dazu verleiten, ein Doppelleben zu führen. Auf der einen Seite «funktionieren» sie im Alltag. Auf der anderen Seite erschöpft sie das Funktionieren so stark, dass die Trauerarbeit nicht genug Raum findet. Sie können Hinterbliebene ermuntern, eine für sie geeignete Form der Trauerarbeit zu finden und fragen, ob Sie sie dabei unterstützen sollen, eine solche zu finden (unter Adressen haben wir mögliche Institutionen aufgeführt). Wichtig ist: Drängen Sie Ihr Gegenüber nicht. Trauerarbeit ist individuell und braucht Zeit. 

Langzeitige Unterstützung ist wichtig

In der Zeit unmittelbar nach dem Suizid sind Hinterbliebene meist gut unterstützt. Familie und Freunde stehen ihnen zur Seite. Für die Menschen um die Hinterbliebenen herum verblasst der erlebte Schmerz schneller, der Suizid gerät aus der Erinnerung. Für Hinterbliebene jedoch ist der Verlust auch nach langer Zeit noch ganz nahe. Die Trauerarbeit braucht bis zu mehreren Jahren. Es ist wichtig, dass das Umfeld dies weiss und langzeitig Unterstützung anbietet. Manchmal wollen die Hinterbliebenen ihre Mitmenschen mit ihrer Trauer nicht belasten und zeigen zu wenige wie es in ihnen aussieht.

Wenn der Verlust bei den Hinterbliebenen selbst Suizidgedanken auslöst

Manchmal sind die Trauer der Hinterbliebenen und ihre Sehnsucht nach dem verstorbenen Menschen so stark, dass sie selbst von Suizidgedanken geplagt werden. Fragen Sie offen nach, wenn Sie dies bei Ihrem Gegenüber vermuten. Wie Sie Menschen mit Suizidgedanken unterstützen können, haben wir im Kapitel «Ich bin besorgt um jemanden» ausgeführt. 

Die eigene Sichtweise und Lebensgeschichte nicht auf andere übertragen

Wenn man mit der Trauer eines anderen Menschen konfrontiert wird, kommt man immer stark mit der eigenen Lebens- und Trauergeschichte in Berührung. Was einem selber in der Trauer gut tun würde, muss nicht automatisch auch der trauernden Person helfen. Die eigenen Bedürfnisse und Reaktion auf Trauer sind also nicht immer ein guter Ratgeber, um einen anderen Menschen zu unterstützen. Trauen Sie sich zu fragen, was Ihrem Gegenüber gut tut.

Sich beraten lassen und auf sich selbst hören

Jemanden in der Krise zu begleiten, ist anspruchsvoll. Wir haben im Kapitel das sich an Menschen richtet, die jemanden in suizidalen Krisen unterstützen, zusammengetragen, worauf man als Helferin/Helfer bei sich selbst achten soll. Das meiste was dort steht, gilt auch für Menschen, die Hinterbliebene unterstützen. Mehr erfahren...

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